Buch: Den Mann zur Sprache bringen

978-3-87159-052-8 in Buch: Den Mann zur Sprache bringen Kurzbeschreibung “Den Mann zur Sprache bringen – Psychotherapie mit Männern”

Die Schwierigkeiten und Problemlagen von Männern sind häufig ganz andere als die von Frauen. Von daher bedarf es im psychotherapeutischen und auch beraterischen Kontext einer männerspezifischen Herangehensweise, die diesen speziellen Schwierigkeiten Rechnung trägt. Diese Idee durchzieht das sehr praxisorientierte Buch der beiden Männertherapeuten Wolfgang Neumann und Björn Süfke. Der Leser darf in dem theoretisch fundierten, aber gleichzeitig sehr unterhaltsam und liebevoll geschriebenen Werk der therapeutischen Arbeit der beiden Autoren über die Schultern sehen und bekommt unmittelbar die Prozesse mit, wie der männliche Klient zum Sprechen und so seine innere Welt zur Sprache gebracht wird. Ein außerordentlich lesenswertes Buch für alle, die mit Männern therapeutisch oder beraterisch arbeiten, aber auch für alle, die mehr über „den Mann“ und seine Besonderheiten erfahren wollen.

Entstehung

Im November 2002 sprach mein Kollege Wolfgang Neumann mich an, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm zusammen ein Buch über die psychotherapeutische Arbeit mit Männern zu schreiben. Ich arbeitete schon seit einiger Zeit ausschließlich mit Männern und auch Wolfgang hatte sich in seiner psychologischen Praxis immer mehr auf männliche Klienten spezialisiert. Eigentlich fühlte ich mich mit meinen 30 Lebens- und vier Berufsjahren noch etwas zu jung dafür, um meinen „Erfahrungsschatz“ an andere weiterzugeben. Aber natürlich hatte ich in meiner Jugend – wie so ziemlich jeder andere Mensch auch – stets davon geträumt, irgendwann einmal ein Buch zu schreiben. Von daher beschloss ich, diese Chance zu ergreifen, wohlwissend, dass es die erste und letzte sein könnte. Gut, es war nicht der melancholisch-tiefsinnige Liebesroman, den ich in der trostlosen Einsamkeit Nordschottlands hatte schreiben wollen – aber man muss im Leben auch Abstriche machen. Acht Monate später bereute ich meine sehnsuchtsgetriebene Entscheidung zutiefst, denn den gesamten Jahrhundertsommer 2003 verbrachte ich schweißgebadet am Schreibtisch. Weitere acht Monate später hielt ich unser Buch in den Händen, die ersten – sehr wohlwollenden – Rückmeldungen trudelten ein und alle Reue war verflogen.

Rezensionen

Ruth Kuntz schreibt in der Neuen Zürcher Zeitung online, 30.5.2004: Über Männer zu reden, ist einfach – mit ihnen zu reden, dagegen schwer. Das behaupten die auf Männer spezialisierten Psychotherapeuten Wolfgang Neumann und Björn Süfke. Zwar könnten Männer endlos über ihre Helden- oder Untaten monologisieren. Doch Sprachlosigkeit überfalle sie, wenn es um eigene Wünsche, Hoffnungen und Bedürfnisse gehe. Denn Emotionen ängstigen den Mann, da er «im Laufe seiner Kindheit und Jugend immer mehr den Zugang zu den eigenen Impulsen» verloren hat. Entsprechend oft beklagt sich die psychotherapeutische Zunft über die Verschlossenheit der Männer, die ohnehin deutlich seltener als Frauen psychotherapeutische Hilfe suchen. Das soll sich nun ändern. Das Therapeuten-Duo Neumann und Süfke jedenfalls will das subjektive männliche Fühlen aufwerten, den Mann aus seinen rationalen Umzäunungen und Abstraktionen in die Welt der Affekte und Ambivalenzen holen, kurz: den Mann zur Sprache bringen. «Wir führen die Männer zu ihren eigenen Unsicherheiten, abgespaltenen oder unterdrückten Gefühlen, wir bringen sie zurück zum Dilemma», prophezeien Neumann und Süfke. Und es hört sich wie eine Warnung an. Denn der Weg zu der verlorenen Energie, zu Lebenslust und Lebendigkeit ist steinig. Am Ende aber könnte auch eine neue, eine positiv besetzte Männlichkeit stehen. Bisher hätten Jugendliche im weiblich-mütterlich dominierten Alltag ihre Männlichkeit nur über die Negation des Weiblichen definieren können, erinnern die Therapeuten. Diese «Umweg-Identifikation» führe zwangsläufig dazu, dass mit der Abwehr der eigenen weiblichen Anteile unbewusst auch Frauen abgewertet würden – auch wenn dies den eigenen Überzeugungen entgegenlaufe. Kongruenz heisst denn auch das therapeutische Ziel, «ein Zustand der Integration, in dem sich der Mensch in voller Übereinstimmung mit den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen befindet». Wie aber können Männer mit sich eins werden, wenn sie in einem «geliehenen» Geschlechtszustand leben, sich als Negativ des Weiblichen begreifen? Indem Männlichkeit in der Psychotherapie endlich als eigenständige Kultur gelte, erklären Neumann und Süfke. Eine Kultur mit spezifischen Prägungen und spezifischer Art zu leiden. So erkranken Männer nicht nur häufiger als Frauen an Persönlichkeitsstörungen und Drogenmissbrauch, sie verarbeiten beispielsweise auch Depressionen anders, aggressiver, und starten mehr Suizidversuche als Frauen. Mit einer platonischen Liebeserklärung an den Mann geleiten Neumann und Süfke die Hilfesuchenden zu den eigenen schlummernden Reserven. Den Weg dazu weisen ihnen das Verständnis der Männlichkeits-Kultur und auch die klientenbezogene, nichtdirektive Gesprächspsychotherapie von Carl Rogers: Der Therapeut ermuntert seinen Klienten, Probleme und Gefühle frei zu formulieren und verdeutlicht sie in seinen Worten wiederum dem Klienten. «Beschützte Hilflosigkeit» nennen die Männertherapeuten ihr Angebot an den Patienten, ihn auf der Suche nach sich selbst zu begleiten. Die gemeinsamen Reisen verlaufen meist auf dem dünnen Grat zwischen Nähe und Distanz. Wie viele Emotionen darf der Therapeut zeigen, wie nahe darf er dem Patienten kommen, wo muss er Grenzen beachten? Anders als in der Psychoanalyse, in der Analytiker nur implizit in das Spiel von Übertragung und Gegenübertragung einbezogen sind, indem sie eine subjektive Folie für Patientengefühle abgeben, operieren die Männertherapeuten explizit mit dem Perspektivenwechsel. Sie stellen ein Verhältnis zum Klienten her, in dem Fragen und Selbstbefragung zwischen den Gesprächspartnern oszillieren, was möglicherweise die männliche Angst vor dem Verlust der Selbstkontrolle beschwichtigt. An diesen therapeutischen Annäherungen lassen Neumann und Süfke auch die Leser teilhaben. Sie nehmen sie mit auf die Suche nach verschütteten Gefühls-Sedimenten. Es sind nicht vollständige Drehbücher, die das Therapeuten- Duo kunstvoll erzählt. Das Skript zum Thema «Wer bin ich?» müssen die Klienten selbst schreiben. Die Geschichten skizzieren vielmehr Erlebnisse, in denen die Klienten ihr Alter Ego betrachten und sich mit ihm eins fühlen können. Der Trick: In seiner Erzählung nimmt der Therapeut scheinbar den distanzierten Blick des Klienten ein, der sich quasi entfremdet von aussen beobachtet. Über die Identifikation allerdings gerät der Beobachter selbst in die Geschichte und wird Teil des emotionalen Erlebens. Der Wechsel von Reflexion, dokumentarischen Fall- und therapeutischen Fiction-Geschichten macht das Männerbuch zu einem eindringlichen Reader. Exemplarische Mannsbilder lösen sich zu wahren Gestalten auf, zu denen man eine Beziehung aufnehmen muss. Und vielleicht werden sie sogar zu Protagonisten der neuen Männlichkeit. Bei einigen Klienten allerdings war wohl auch ein Wunder am Werk. So schnell greift sonst keine Therapie. Jedenfalls macht das Buch Lust auf eine neue Männlichkeits-Kultur: locker, feinsinnig, gescheit und emotional.

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Jens Flassbeck schreibt in der Psychosozialen Umschau 2/2004, S. 50: Die therapeutische Männerarbeit von Neumann & Süfke basiert auf einer schlichten Hypothese: »Männer verlieren im Laufe ihrer Kindheit/Jugend immer mehr den Zugang zu ihren eigenen Impulsen. Um diesen Zugang wiederherzustellen, müssen wir den Mann zur Sprache bringen!« Die darin enthaltene Doppeldeutigkeit ist gewollt: Den Mann zum Sprechen bringen und ihn anleiten, sein Selbstverständnis als Mann zu symbolisieren. In Teil 1 wird dargestellt, wie der Zugang zur inneren Welt in der Kindheit nach und nach verloren geht. Neben gesellschaftlichen und familiären Ursachen wird das psychische Dilemma von Jungen beleuchtet, wie diese in Ermangelung männlicher Identifikationsfiguren und in Abgrenzung zur Mutter »externalisierende« Bewältigungsstrategien erlernen. Im Teil 2 wird eine vielschichtige Psychotherapie mit Männern entworfen, die eklektisch keine »Sprechverbote« kennt, doch in den Grundzügen personzentriert und systemisch ist – mit einer gehörigen Portion Humortherapie. Es wird dargestellt, wie eine schützende Beziehung hergestellt werden kann, damit der »ganze Kerl« nicht gleich wieder aus dem bedrohlichen Gefühlsdschungel der Therapie flüchtet. Es werden umfangreich und anschaulich therapeutische Methoden zur Förderung von eher internalisierenden Lebensstrategien illustriert. Schließlich wird auf die Besonderheiten in der Arbeit mit Jugendlichen eingegangen, v.a. die Anforderungen an die Geduld und Glaubwürdigkeit des Therapeuten. In Teil 3 wird in 33 Kasuistiken unverblümt Einblick in die Praxis der Autoren gegeben. Der vorher skizzierte Therapieansatz wird noch lebendiger, wenn man Neumann & Süfke gewissermaßen in sensu bei der Arbeit über die Schulter schaut. Die Autoren bieten keine kopierbaren Patentrezepte. Vielmehr wird es der Offenheit, dem Mut und der Lust der Fachmänner und -frauen überlassen, die gebotenen vielfältigen Anregungen in der eigenen Praxis auszuprobieren. So richtet sich das Buch an ein mit beiden Beinen im Leben stehendes Fachpublikum, das Bereicherung für einen herausfordernden Berufsalltag sucht. Der Rezensent machte selber die Erfahrung, dass Impulse aus dem Buch überraschend in seiner therapeutischen Arbeit auftauchten und sich kreativ entfalteten. Neumann und Süfke haben ein Männerbuch geschrieben und als (Fach-) Mann erhält man vielschichtige und sympathische Einsichten in die Abgründe des eigenen Geschlechts. Gleichwohl dürfte das Buch auch für Fachfrauen überaus spannend sein. Der Rezensent möchte allerdings warnen: Frau könnte eher ernüchtert sein, dass Männer im Grunde doch nicht viel anders funktionieren als Frauen … wenn, ja wenn sie erst einmal zur Sprache gebracht werden!

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Martin Lenz schreibt in Therapie kreativ, Heft 39/40, September 2004, S. 155-157: Ich mache gerade die ersten Erfahrungen mit einer Männer-Therapie-Gruppe. Ich muss ehrlich sagen, es verschlägt mir Stunde um Stunde immer wieder die Sprache. Männer sind sprachlos. Und das sage ich ohne Larmoyanz oder Selbstmitleid, ohne „Aber-ich-bin-die-Ausnahme“ – es ist so. Ich hatte nur gehofft, dass es nicht gar so doll ist und dass die häufigen Erfahrungen in Einzeltherapien und die merkwürdigen Beobachtungen in gemischten Therapiegruppen vielleicht die Ausnahme wären. Und da bin ich sehr dankbar, dass zwei Kollegen ihre Erfahrungen und theoretischen Erklärungen zu einem Buch gemacht haben, das Mut macht, sich therapeutisch der Sprachlosigkeit der Männer zu stellen. Therapie mit Männern heißt, sich deren Sozialisationsbesonderheiten zu stellen (die ja als Mann auch die eigenen sind) und sie liebevoll zum Ausgangspunkt von Veränderungen zu machen. Den Mann zur Sprache zu bringen ist das Gegenteil von: „Treffen sich zwei Jäger, beide tot!“ Denn „was ist zu tun, damit das Treffen von Klient und Männertherapeut keine ‚tote‘ Begegnung wird, sondern eine, die beide belebt?“ (S. 47) Die therapeutische Arbeitshypothese der Autoren lautet, dass Männer im Laufe ihrer Kindheit und Jugend immer mehr den Zugang zu ihren eigenen Gefühlen und Bedürfnissen verlieren und dass diese wieder entdeckt werden können, wenn Mann zur Sprache gebracht wird … Sich auf Böhnisch und Winter (Männliche Sozialisation. Bewältigungsprobleme männlicher Geschlechtsidentität im Lebenslauf. Weinheim 1997) beziehend, sehen die Autoren folgende Grundprinzipien der Bewältigung des Mann-Seins durch ihre Praxis belegt. Als erstes die „Externalisierung“, d.h. die Außenorientierung in Wahrnehmung und Handeln. Dann die „Stummheit“, wenn es um das Sprechen über ihre Angst, Hilflosigkeit, Bedürftigkeit usw. geht. Daraus folgt das „Alleinsein“ und die emotionale Isolation. Die „Rationalität“, ja auch zu einer besonderen männlichen Fähigkeit stilisiert, ist eine Form der Abwehr, des hilflosen Vermeidens. Die „Kontrolle“ verhindert das Sich-Fallenlassen und Sich- Hingeben. Und das Prinzip der „Körperferne“ zeigt sich in rücksichtslosem Umgang mit dem eigenen Körper, aber auch in der Abwertung von körperlich näherem Umgang mit anderen Männern. „Gewalt und Benutzung“ sowohl im physischen bzw. sexuellen Sinne gegenüber Frauen, aber auch gegenüber sich selbst, als auch im Sinne von gewaltvoller Benutzung natürlicher Ressourcen, wie etwa der Zerstörung der Umwelt, ist das letztgenannte Prinzip. Das klingt in dieser kurzen Abhandlung vielleicht wie das feministische Abrechnen mit dem Mann an sich, ist aber letztlich doch ein Annäherungsmodell an Probleme, die vielen Männern das Leben erschweren. „Der Wunsch der Männer nach Anerkennung, nach Gesehen- und Gefunden-Werden, der hinter den oft so gut verschlossenen Türen wartet, sollte im Therapieprozess unbedingt positiv genutzt werden. Bildhaft gesprochen sitzt hinter den Türen der innere Junge, der verletzt oder enttäuscht wurde, daraufhin weggelaufen ist, sich versteckt hat und schmollt, aber im Grund sehnlichst darauf wartet, gefunden zu werden, damit er endlich wieder am Spiel, am Leben teilnehmen kann. Schließlich ist der Sinn kindlichen Weglaufens in aller Regel nicht das Verstecken, sondern das Gefunden-Werden.“ (S. 71/72) Wie sich die Stummheit, das Alleinsein, die Körperferne, Rationalität, Kontrolle, Gewalt und Benutzung konkret im therapeutischen Prozess zeigen und wie mann lernen kann, es zur Sprache zu bringen und persönliche Schwierigkeiten zu bewältigen, erzählen nun Wolfgang Neumann und Björn Süfke mit viel Humor und mit Freude am Therapeutsein. Sie nehmen uns mit in ihren Therapieraum, bringen sich und ihre Klienten zur Sprache, lassen uns miterleben, wie das geht … Ich bin berührt von der Offenheit der Kollegen, ich bin mitten drin in den „Fallgeschichten“, ich bin froh, dass Therapie wieder einmal so lebendig erzählt wird und dass ich mich selbst auf die nächste Männergruppe freuen kann. Denn es gibt einen Weg aus der Sprachlosigkeit – was wir ja schon immer wussten!

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Andreas Haase schreibt in Switchboard, Juni/Juli 2004, Nr. 164, Seite 10: In meinen Augen wohnt ein Tier, das sieht mich immer hungrig an, als ob’s mich aufgehoben hat für einen lieben langen Tag, was soll werden, wenn es die Oberhand gewinnt? (Element of Crime, Wer ich wirklich bin, 1996) Diesen Titel der Berliner Band Element of Crime fand ich schon immer die männliche Rolle sehr hinterfragend und anregend, über bestimmte Dinge meines Mann-Seins nachzudenken. Als ich nun Textteile in dem Buch von Neumann & Süfke wieder fand, entstand sofort eine Sympathie für dieses Buch. Besser hätten die Autoren bestimmte Passagen nicht einleiten können als mit Zitaten aus aktuellen Musikstücken (u.a. Bruce Springsteen) und literarischen Werken (u.a. Der kleine Prinz). Im Teil 1 des Buches geht es um die männliche Sozialisation und ihre Konsequenzen, um Jungensozialisation, um Bewältigungsstrategien des Mann-Seins (Externalisierung, Stummheit, Alleinsein, Rationalität, Kontrolle, Körperferne, Gewalt) – darum, den Jungen zur Sprache zu bringen. Teil 2 versucht den Mann zur Sprache zu bringen; es werden Grundzüge der Psychotherapie mit Männern aufgezeigt, und dabei sowohl der therapeutische Umgang mit Männern und Jugendlichen als auch die Schwierigkeiten einer Therapie. Teil 3 enthält Beispiele therapeutischer Gespräche mit Männern: „Bitte, meine Herren, sprechen Sie!“ Ich möchte aus der Einleitung zu diesem Teil des Buches zitieren, weil er für mich die Intention gut beschreibt: „Im Vordergrund steht bei diesen Therapieberichten die Frage, wie der Mann zur Sprache gebracht und wie der Kontakt zu den kindlichen, jungenhaften Anteilen des Klienten wiederhergestellt werden kann, deren Offenheit, Kraft und Stärke für die Bewältigung von Problemen als unverzichtbar angesehen wird. Bei der Darstellung unserer therapeutischen Erfahrungen haben wir aber versucht, auch jene Aspekte zur Geltung kommen zu lassen, die in der Regel bei schriftlichen Wiedergaben therapeutischer Abläufe unter den Tisch fallen, zum Beispiel unsere inneren Auseinandersetzungen mit Zweifeln, Unsicherheiten und Selbstkritik sowie unsere stillen Selbstgespräche und deren Verwendung für den therapeutischen Prozess. Ebenso berücksichtigt wurden Gedanken, Vorstellungen und Gefühle, die im therapeutischen Umgang so nebenbei auftauchen, die uns selbst manchmal peinlich sind und oft zunächst unpassend erscheinen, die aber bei expliziter Berücksichtigung verblüffende Wirkung haben können. Denn wenn diese Gefühle, Bilder, Unsicherheiten formuliert werden können, ist dies meist besonders hilfreich, sowohl für den Klienten als auch für den Therapeuten. Der therapeutische Prozess wird beflügelt, ein mögliches Versteckspiel im therapeutischen Raum beendet, wodurch zudem die Möglichkeit entsteht, den betroffenen Männern modellhaft ihre Versteckspiele vor sich selbst vor Augen zu führen. Bei den beschriebenen Gesprächen kommt demnach der Darstellung der Innensicht ein besonderes Gewicht zu. Mensch kann dem Therapeuten also bei seinem Tun gewissermaßen über die Schulter – und manchmal eben auch noch etwas tiefer sehen. Auf diese Weise wollen wir authentische Eindrücke davon vermitteln, wie wir unsere Männer im Therapieprozess begleiten, anregen, foppen, wie die Klienten nach und nach mit uns ins Gespräch kommen, wie es manchmal gelingt, den Mann zum Sprechen zu bringen und auch den Jungen im Manne zu finden und zu würdigen. In anderen Fällen wird deutlich, wie und weshalb die Suche misslingen kann, wie die Männer in sich versteckt bleiben und sich in ihrem Versteck weiter langweilen, trutzig, trotzig, bis an die Zähne bewaffnet mit Widerständen.“ Die Therapieberichte regen zum Nachdenken an, und immer wieder erwischt mann sich dabei, eigene Verhaltensmuster zu erkennen. Andere sind zum Schmunzeln und es darf auch gelacht werden. Doch dann bleibt einem das Lachen auch wieder im Hals stecken. Dieses Buch hat eine große Offenheit und Transparenz, ist liebevoll geschrieben und gestaltet. Ich denke, nicht nur die Therapeutinnen und Therapeuten finden Gefallen an dem Buch – auch Männer, die sich mit sich selbst beschäftigen, werden in diesem Buch fündig. Ich kann es nur empfehlen.