Zu meiner Person

Portait-Bj Rn-S Fke1 in Zu meiner PersonBiographien finde ich spannend, Lebensläufe aber langweilen mich. Ich erspare Ihnen daher detaillierte, aber blutleere Informationen über meinen schulischen und beruflichen Werdegang. Ich bin in Lübeck geboren und aufgewachsen, habe in Bielefeld Psychologie studiert und meine Ausbildung in personzentrierter Psychotherapie absolviert (auch als „Gesprächspsychotherapie“ bekannt). Seit nunmehr über dreizehn Jahren arbeite ich therapeutisch und beraterisch mit Männern. Ich denke, das sollte genügen – wenn Sie mehr wissen müssen, schreiben Sie mir eine Mail!

Um wirklich etwas über einen Menschen zu erfahren, muss man meines Erachtens wegkommen von den harten Fakten, den scheinbaren Eckdaten des Lebens. Daher bitte ich meine Klienten in einer der ersten Sitzungen häufig, einen „emotionalen Lebenslauf“ zu schreiben, also von jenen Dingen zu berichten, die ihnen in emotionaler Hinsicht am meisten im Gedächtnis geblieben sind, unabhängig davon, wie bedeutungsvoll diese Dinge auf den ersten Blick erscheinen mögen.

Da ein Therapeut seinen Klienten keine Aufgaben stellen sollte, an die er sich selber nicht herantraut, habe auch ich schon einen solchen emotionalen Lebenslauf geschrieben. Ich denke, Sie haben Verständnis dafür, dass ich einige Passagen herausgeschnitten habe, bevor ich nun den Text ins Internet stelle (gut, seien wir ehrlich: Ich habe etwa zwei Drittel des Textes herausgeschnitten):

1980

Im Mathematik-Unterricht steht „Mengenlehre“ auf der Tagesordnung. Die Lehrerin versucht das Thema zu veranschaulichen, indem sie die Kinder der Klasse nach Haarfarbe sortiert. Zusammen mit Carina Preskop werde ich in die Kategorie „rote Haare“ eingeteilt. Da ich zweifelsfrei wunderschöne weißblonde Haare habe (mit nur einem ganz leichten Rotstich) bin ich wütend, fühle mich missverstanden, nicht gesehen, gedemütigt. Außerdem ist Carina, bei allem Respekt, eine nervtötende kleine Zicke, mit der ich an keinem Ort der Welt alleine sein möchte, nicht einmal in einer Kategorie. Ich werde von diesen Gefühlen derart übermannt, dass ich weinend aus dem Klassenzimmer renne. Mein Ruf in der Klasse ist damit für immer ruiniert.

1983

Ich habe mir in letzter Zeit angewöhnt, an Samstagabenden bei meiner Oma zu übernachten, selbst wenn meine Eltern gar nicht ausgehen. Meine Oma erlaubt mir nämlich, so lange fernzusehen wie ich möchte. Als ich eines Sonnabends an ihrer Wohnungstür klingele, öffnet sie mir erfreut und fragt mich lachend, ob es wieder einen Western im Spätprogramm gäbe. Ich sage schnell „Weiß nicht!“ und drücke mich an ihr vorbei in die Wohnung, damit sie die Schamesröte in meinem Gesicht nicht sieht. Sie glaubt mir, obwohl sie weiß, dass ich lüge. Ich bin erst 11 und verstehe noch rein gar nichts vom Leben, aber mir wird klar, dass dies kein Widerspruch ist, sondern Liebe. Ich besuche sie in Zukunft noch häufiger – und niemals mehr wegen eines John Wayne-Films.

1984

Ich werde an meiner Schule erpresst. Ein sehr großer und kräftiger Junge droht mir, mich zu verprügeln, wenn ich ihm nicht jeden Tag eine Mark gebe. Sechs Wochen lang bringe ich ihm jeden Morgen eine Mark – von dem Geld, das ich für ein neues Fahrrad gespart hatte. Dann beschließe ich, dass das so nicht weitergehen kann, mehr aus Vernunft und auf der Basis buchhalterischer Kalkulationen denn aus Heldentum. Ich sage dem Jungen, dass ich ihm kein Geld mehr bringen würde und es passiert: gar nichts.

Das Traurige ist, dass ich glaube, bloß Glück gehabt zu haben. Ich fühle keinen Stolz, sondern erlebe mich als schwach und minderwertig, weil ich erst nach sechs Wochen geschafft habe, was für andere ein Kinderspiel gewesen wäre. Mit meinen zwölfeinhalb Jahren verstehe ich noch nicht, dass ich etwas Großes vollbracht habe, etwas persönlich Großes, nämlich dass ich getan habe, wovor ich Angst hatte. Weil ich das noch nicht verstehe, muss ich die Lektion noch einmal lernen:

Mit 16 Jahren habe ich ein schrecklich schmerzhaftes Erlebnis bei einem Pfuscher von Zahnarzt und gehe daraufhin acht Jahre lang nicht mehr zum Zahnarzt. Erst als ich vor lauter Zahnschmerzen nicht mehr studieren kann, mache ich einen Termin. Als ich ins Behandlungszimmer geführt werde, setze ich mich nicht auf den Stuhl, sondern erwarte den Zahnarzt an der Tür. Er fragt freundlich: „Oh, hat man Ihnen keinen Platz angeboten?“ Ich sage: „Doch, doch, aber da kann ich mich heute noch nicht hinsetzen. Wir müssen erst reden!“ „Gut“, sagt der Zahnarzt, „reden wir!“; vermutlich kennt er so Schätzchen wie mich zu Genüge. Ich erzähle ihm von meiner Angst, bin erleichtert und muss irgendwann über die ganze Situation lachen: der angehende Psychotherapeut, der beim Zahnarzt erst mal „nur reden“ will. Nach einer Weile sagt der Zahnarzt: „Wollen wir denn mal einen Blick riskieren? Nur gucken, natürlich!“ Ich lasse es zu und frage am Ende: „Ist es sehr schlimm?“ Er lächelt mich wieder an und sagt: „Nun ja, ‚sehr schlimm’ ist es nicht, jedenfalls nichts, was wir nicht wieder hinkriegten. Aber ein halber Kleinwagen dürfte für mich schon dabei herausspringen!“ Er ist mir bis heute ein Vorbild dafür, Humor und Ernsthaftigkeit zu verbinden.

1985

Boris Becker steht im Finale von Wimbledon, gegen Kevin Curren, das Aufschlagmonster. Ich bin so unglaublich aufgeregt wie noch nie zuvor in meinem Leben. Jeder Ballwechsel ist eine Nervenschlacht – vielleicht nicht für Boris, aber für mich. Schließlich bin ich noch jung genug, um einen Menschen wegen seines knallharten Aufschlags bedingungslos zu verehren. Gleichzeitig bin ich alt genug zu ermessen, was es für einen Jungen, kaum 4 Jahre älter und vermutlich noch männlich-leistungsorientierter aufgewachsen als ich selbst, bedeuten muss, als jüngster Spieler aller Zeiten das größte Tennisturnier der Welt zu gewinnen.

1986

Ich gucke das Fußball-WM-Finale Deutschland gegen Argentinien zusammen mit meinem Vater. In der 85. Minute erzielt Rudi Völler den 2:2-Ausgleich. Mein Vater und ich springen beide auf und umarmen uns.

1991

Ich bekomme von der Sozialarbeiterin meiner Zivildienststelle den größten (und besten) Einlauf meines Lebens, der im Kern beinhaltet, dass ich es im sozialen Bereich nicht weit bringen werde, wenn ich weiterhin meine Ernsthaftigkeit mit Hilfe meines Humors zu verstecken versuchte. Sie hat recht – und ich weiß es sofort. Ich empfinde Demut. Und Freude darüber, so wahrhaftig gesehen worden zu sein. Seitdem versuche ich, meine Ernsthaftigkeit und meinen Humor zu verbinden. Es gelingt nicht immer.

1993

Die erste große Liebe: Ein neues Leben beginnt.

1998

Im Wonnemonat Mai trennt sich meine Freundin von mir. Ende Juni muss ich meine Diplomarbeit abgeben und schaffe es daher nicht, mich auch noch um so etwas wie eine Arbeitsstelle zu kümmern. Ein Leben in Einsamkeit und Armut liegt vor mir. Wenige Tage später kontaktiert mich eine Jugendhilfeeinrichtung, die einen Therapeuten für ihre männlichen Jugendlichen sucht – ein Psychologe aus meiner ehemaligen Praktikumsstelle hatte mich empfohlen. Ich gehe zum ersten Vorstellungsgespräch meines Lebens und bekomme die Stelle. Meine Diplomarbeit gebe ich zwei Wochen vor der Frist ab. Acht Tage, bevor ich das Diplomzeugnis erhalte, gebe ich meine erste Therapiestunde. Sie läuft gut.

2002

Die zweite (und letzte) große Liebe: Ein neues Leben beginnt.

2007

Als Psychotherapeut bin ich sehr dafür, Sachen kurz und klar zu benennen, auf den Punkt zu bringen, spürbar werden zu lassen. Seit der Geburt meines Sohnes aber weiß ich, dass es Dinge im Leben gibt, die man definitiv nicht in zwei oder drei Sätzen beschreiben kann; man muss entweder ganz viel darüber sprechen oder aber schweigen. Daher sage ich an dieser Stelle gar nichts und spreche ganz viel in meinem Buch „Die Ritter des Möhrenbreis – Geschichten von Vater und Sohn“.

2008

Mein Buch „Männerseelen“ ist erfreulicherweise erfolgreich genug, um mir eine Einladung in die „Johannes B. Kerner-Show“ einzubringen. Ich soll dort zusammen mit Mario Barth über Männer reden, er soll lustig sein, ich ernst. Die Johannes B. Kerner-Show gucken fast zwei Millionen Menschen – konsequenterweise bin ich schon Monate vor dem Auftritt wie paralysiert. Noch nie in meinem Leben habe ich eine derartige Angst gehabt. Am Tag X bin ich so durch den Wind, dass ich vergesse, mein Hemd einzupacken, sodass ich eine Stunde vor Aufnahme der Sendung durch die teuerste Einkaufsstraße Hamburgs hetzen muss, um ein Hemd zu finden, das zu meinem Sakko passt. In der Show witzelt Kerner eine knappe Stunde lang mit Mario Barth herum, während ich doof daneben sitze und höflich lächele. Als ich an die Reihe kommen soll, ist die Zeit zu knapp für ein weitergehendes Gespräch, mein Buch wird nicht einmal erwähnt. Ich bin empört und gleichzeitig stolz, dieses persönliche Martyrium angegangen und überstanden zu haben.

2009

Das zweite Kind: Ein neues Leben beginnt. Ein fantastisches Leben. Ein stressiges Leben. Deshalb entschuldige ich mich schon hier und heute bei meiner wundervollen Tochter, dass es mangels Schreibgelegenheiten wohl niemals ein Buch “Ritterin und Ritter des Möhrenbreis – Geschichten von Vater und Tochter” geben wird. Exakt 15 Minuten nachdem abends die Wäsche weggepackt, das Geschirr gespült, das Spielzeug weggeräumt und die Arbeits-Mails beantwortet sind, fallen mir nämlich schlagartig die Augen zu. Ich decke dann schnell die beste Frau der Welt zu, die bereits nach 11 Minuten eingeschlafen ist, und lege mich daneben. Manchmal putze ich sogar noch die Zähne …

2011

Das dritte Kind: Ein neues Leben … naja, Sie wissen schon!

Foto-Download

Wenn Sie tatsächlich ein Foto von mir brauchen – dies ist das beste, das ich finden konnte …