Männertherapie

M Nner-Therapie in MännertherapieMeine psychotherapeutische Grundhaltung und Arbeitsweise

Beginnen wir mit der Frage „Was ist Psychotherapie?“ „Psychotherapie“ bedeutet wörtlich übersetzt „Heilung der Seele“, was im Grunde genommen schon eine ziemlich zutreffende Umschreibung ist. Denn gerade weil der Begriff „Seele“ so weit gefasst ist, ermöglicht er es, dass wir uns von der ursprünglichen Konzeption von Psychotherapie als reiner Behandlungsmaßnahme für psychische Störungen und Krankheiten etwas lösen und das Wirkungsfeld der Psychotherapie auf alle inneren Leidenszustände erweitern können. Anders ausgedrückt: Jedes Leid verdient eine Psychotherapie! Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Leidenszustand unbedingt eine psychotherapeutische Behandlung zwingend benötigt. Aber meines Erachtens sollte jede Form inneren Leidens, sei es an einer psychischen oder körperlichen Krankheit, an eigenen Verhaltens- oder Erlebensmustern, an einer Trennung oder einem sonstigen Verlust, an Beziehungsproblemen oder ganz einfach am Leben generell, grundsätzlich so ernst genommen werden, dass Psychotherapie zumindest eine Option ist – eine Möglichkeit, Besserung zu erfahren, vielleicht sogar „Heilung“, auf jeden Fall aber persönliche Weiterentwicklung. Das, so finde ich, sollte man sich selbst schon wert sein.

Von meiner Ausbildung her bin ich personzentrierter Psychotherapeut, fühle mich also der Gesprächspsychotherapie verbunden. Eine solche Aussage hat heutzutage sicherlich nicht mehr dasselbe Gewicht wie vor 30 oder 40 Jahren, da die Grenzen zwischen den verschiedenen psychotherapeutischen Schulen durchlässiger geworden sind, die ideologischen Gräben überwindbarer. Ich habe vor einiger Zeit eine Umfrage gelesen, in der sich weit über die Hälfte der PsychotherapeutInnen als „eklektisch“ bezeichnet hatte, in der täglichen Arbeit also Methoden verschiedener therapeutischer Orientierungen miteinander verbindet. Ich bin nicht befragt worden, aber ich hätte dasselbe geantwortet. Es macht Sinn, eine psychotherapeutische Behandlung vorrangig an die spezifischen Bedürfnisse, Probleme und Eigenheiten des Klienten anzupassen, nicht so sehr an die theoretischen Vorstellungen des Therapeuten über die menschliche Psyche. Wenn Sie ein handwerkliches Problem haben, wenden Sie sich ja auch eher an einen Monteur mit gut sortiertem Werkzeugkasten als an einen mit einer eindrucksvollen Sammlung verschiedener Hammer, der nach dem Motto verfährt: „Ich habe so viele schöne Hammer, also ist jedes Problem ein Nagel.“

Dennoch fühle ich mich – anders als es dieses mechanistische Beispiel vermuten ließe – den humanistischen Grundüberlegungen und therapeutischen Wirkprinzipien der Gesprächspsychotherapie verbunden. „Empathisches Verstehen“, „positive Wertschätzung“ und „Authentizität“ sind und bleiben für mich die Eckpfeiler einer jeden – nicht nur therapeutischen – Beziehung.

Wenn ich die innere Welt meines Gegenüber nicht wirklich verstehe, dann bleiben alle meine Äußerungen letztlich weise Worte aus einem Abreißkalender (oder bestenfalls aus einem pseudopsychologischen Ratgeber). Mit der Person des anderen, mit seiner ganz individuellen Persönlichkeit haben sie aber nichts zu tun.

Wenn ich meinen Klienten auch nach zwei oder drei Sitzungen nicht als Mensch wertschätzen kann (selbst wenn ich einige seiner Handlungen kritisch betrachte), dann sollte ich mit diesem speziellen Menschen nicht arbeiten – es wird schlichtweg nichts bringen, keine Hilfe für ihn, keine Freude für mich.

Und wenn ich, last but not least, nicht bereit oder in der Lage bin, mit jenem Menschen, der sich mir anvertraut, in eine offene Beziehung zu treten, echt zu sein, ehrlich zu sein, mich auch mal selber als Mensch einzubringen, zu riskieren, wenn ich also keine authentische, wahrhaftige Begegnung initiieren kann, dann sollte ich vielleicht darüber nachdenken, ob ich nicht besser aufgehoben wäre, arglosen Touristen überteuerte Souvenirs zu verkaufen.

Ich persönlich würde dieser Aufzählung noch ein weiteres, viertes Grundprinzip hinzufügen, welches meine Arbeitsweise kennzeichnet, nämlich das der „Konfrontation“. Nicht schonungslose, sondern liebevolle, aber auf jeden Fall deutliche Konfrontation. Ich betrachte es als eine meiner Aufgaben als Therapeut, Ihnen klar, direkt und ohne Verwässerung zu sagen, was mir an Ihnen, Ihren Schilderungen, Ihren Verhaltensweisen, Ihrer Kommunikation auffällt. Es ist und bleibt meine Überzeugung, dass das, was langfristig gut tut, am Anfang oft auch ein kleines bisschen weh tut.

Therapeutische Arbeit mit Männern

Drei Dinge sind – leider – sicher:

1) Das Geschlecht ist weiterhin eine mächtige und sehr prägende Komponente im Prozess der Identitätsentwicklung.

2) Die Schwierigkeiten und Problemlagen von Männern sind häufig ganz andere als die von Frauen (nicht zuletzt wegen Punkt 1).

3) Das Prinzip „Psychotherapie“ ist eher auf Frauen als auf Männer zugeschnitten: Das ganze Setting, nämlich ein offenes Gespräch über eigene Gefühle und Schwierigkeiten zu führen, ist für die allermeisten Frauen durchaus vertrautes Terrain, für die Mehrzahl der Männer hingegen eine echte Premiere oder – um mal eine „Männermetapher“ zu benutzen – ein echtes Auswärtsspiel.

Von daher bedarf es im psychotherapeutischen und auch beraterischen Kontext meines Erachtens einer männerspezifischen Herangehensweise, die den genannten Aspekten Rechnung trägt. Wie eine solche Herangehensweise aussehen kann, möchte ich an dieser Stelle nicht vertiefen; wer sich dafür interessiert, den darf ich auf das Buch „Den Mann zur Sprache bringen – Psychotherapie mit Männern“ verweisen, das mein Kollege Wolfgang Neumann und ich geschrieben haben.

Außerdem: Wenn Sie jemanden suchen, der mit Ihnen in Bielefeld psychotherapeutisch oder beraterisch arbeiten kann, nur zu, schicken Sie mir einfach eine Mail! Und wenn Sie jemanden suchen, der Ihnen zu diesem Thema „Psychotherapie mit Männern“ etwas referieren, also einen Vortrag, ein Seminar, eine Fortbildung abhalten kann, nur zu, schicken Sie mir einfach eine Mail! (Oder schauen Sie in die Rubrik „Veranstaltungen“!)

Wer nun noch nicht genug hat vom Thema “Psychotherapie”, kann gerne auf “Interessante Links zum Thema Psychotherapie” klicken!